MoBo
Westerntraining
Sven Holger Meyer und
Anja Sonderberg-Moser, zwei unserer Einsteller, waren in Marbach, um das
Longierabzeichen zu erwerben. Hier die Erlebnisse der Beiden, niedergeschrieben
von Sven.
Vielen Dank an Sven,
für die Mühe die Du Dir gemacht hast.
Eine
runde Sache...
Oder:
Zwei zogen aus, das Longieren zu erlernen!
Wie gesagt, eine runde Sache, so ein Zirkel! Doch wer kennt das nicht: Man steht in der Mitte und die einzige Verbindung zwischen Mensch und Tier ist ein mehr oder weniger langes Stück Seil. Da hilft kein „Whoa“, kein „Haaalt“ (den verlieren höchstens wir), kein „Brrrr“ (welches oftmals aus lauter Frust und Ärger aus tiefster Seele kommt) – das liebe Tier zieht seine Kreise, ganz nach dem ihm bekannten Schema: kleine langsame Zirkel – große schnelle Zirkel. Und wenn nichts geht, die großen schnellen, die gehen immer!
„Das kann’s ja nicht sein!“, haben wir uns gedacht, und so zogen wir, Anja Sonderberg-Moser und Sven Holger Meyer aus, im Haupt- und Landgestüt Marbach einen Lehrgang zur Erlangung des „DLA IV“, also das kleine Longierabzeichen, zu absolvieren. Und am Donnerstag, den 12. Mai war’s dann soweit: Wir hatten uns mit gepackten Taschen auf den Weg gemacht, hoch auf die Schwäbische Alb. Das Wetter war gut, die Stimmung auch. Etwas flau war uns im Magen. Lag es daran, dass diese Hengste in Marbach verdammt große Kerle sind!? Oder hatten wir etwas Bammel vor der Prüfung am Samstag!?
Die klärenden
Worte des Lehrgangsleiters Fred Probst, seines Zeichens Ausbildungsleiter
der Landesfahrschule zu Marbach, dem Zentrum des Wissens und der harten
Arbeit, wie es ein Teilnehmer so schön auszudrücken pflegte,
brachten erst mal Ernüchterung in die wild zusammengewürfelte
Truppe von 19 Teilnehmern. „Im praktischen Teil longieren Sie eine Aufgabe
nach Weisung der Richter gemäß den „Richtlinien für Reiten
und Fahren“ Band 6. Dabei sind Hilfszügel erlaubt, gegebenenfalls
können die Richter auch einen Pferdewechsel verlangen. Beurteilt werden
folgende Punkte:
- Losgelassenheit des
Pferdes (von so was hab ich schon immer geträumt)
- Sicherheit im Umgang
mit den Hilfen Stimme (die versagt öfters), Longe (ist doch meistens
viel zu lang!), Peitsche (die ist noch länger und immer im Weg...)
- Sicherheit in der
Verschnallung der Hilfszügel (und wer hilft mir!?)
- Sicherheit beim Handwechsel
(und ich hab ja mit meinen Händen schon alle Hände voll zu tun)
- Erkennen des richtigen
Handgalopps – nicht erkannter und nicht korrigierter Außengalopp/Kreuzgalopp
führt zu Nicht-Bestehen (O.K. Leute, wo bitte ist der Ausgang?)
- Erkennen sichtbarer
Anhalts- und Ansatzpunkte für die weitere Arbeit.“, so die Stimme
unseres Meisters. „Beurteilt wird Ihre Einwirkung auf das Pferd und der
Gehorsam des Pferdes mit Wertnoten zwischen 10 und 0. Im theoretischen
Teil werden Sie in den Bereichen Grundkenntnisse auf dem Gebiet der Longierlehre,
Grundkenntnisse auf dem Gebiet der Reitlehre und Kenntnisse der einschlägigen
Bestimmungen des Tierschutzgesetzes geprüft.“
„Und wer hat bestanden?“, traute sich dann doch einer zu fragen. „Sowohl in der praktischen als auch in der theoretischen Prüfung müssen Sie mindestens die Wertnote 5,0 erreichen, sonst haben Sie die Prüfung nicht bestanden. In dem Fall können Sie die Prüfung erst nach 3 Monaten wiederholen, wobei immer die ganze Prüfung wiederholt werden muß.“
Aber darum ging’s uns
ja überhaupt nicht – wir wollten praktische und theoretische Kenntnisse,
die über das pure Reiten hinausgehen, vermittelt bekommen. Und so
schritten alle Teilnehmer ans Werk: Erst mal das Pferdematerial begutachten.
Geputzt waren sie schon, aber beschnuppern konnte man die Großen
doch zuerst. Und nach einiger Zeit stellte sich heraus, dass diese Hengste
äußerlich ziemlich groß waren, aber in ihrer Seele waren
es kleine verschmuste Ponys. Das vereinfacht die Sache wesentlich, gerade,
wenn man mit einem Stuhl neben ihnen steht, um den Longiergurt aufzulegen!
Und schon waren wir mitten drin. In der großen Halle des Gestütes.
Beim Longieren selbst kann doch so allerhand passieren. So schnell kann
kein Schuhverkäufer Schnürsenkel binden, wie wir unzählige
Knoten auf uns und unsere Longen bringen. Und würde es die Longierarbeit
nicht unheimlich erleichtern, wenn die Pferde nicht dauernd um uns herum
laufen würden!? Der gute Fred hatte schon mächtig viel zu tun
mit uns, aber es mangelte ihm weder am Sachverstand (auch wenn er öfter
mal den selbigen beinahe verloren hätte) noch an einer Engelsgeduld,
die tausend Fragen und Einwände zu klären. So ging es dann auch
an den folgenden Tagen bis in die späten Abendstunden: Pferde richten,
longieren, longieren, longieren! Nur unterbrochen von gelegentlichen Essenspausen
und fachlichen Diskussionen und Erläuterungen. Wie gesagt, wir waren
ja im Zentrum des Wissens und der harten Arbeit!
Und so rückte
dann auch der Tag der Entscheidung näher. Und so standen wir dann,
leichte Verluste in unserem Team hatte es gegeben, mit 16 Mann am Samstag
um 8 Uhr zur Prüfung bereit. Jetzt gab’s kein Zurück mehr, auch
nicht für die Pferde. Hauptsache, sie würden eher vorwärts
statt rückwärts gehen, und ja nicht im falschen Galopp!
Die Spannung steigerte sich zusehends. Und so mussten auch wir Beide dann irgendwann mal in den Ring. Der Gong ertönt, und Du bist ganz alleine. Nur Du und Dein Pferd. Ja, und der Richter! „Und bitte im Schritt anlongieren!“, der hat gut reden! „Scheritt!“, fordere ich den 16-jährigen Württemberger Hengst Wanillo mit sicherer Stimme auf, genauso sicher habe ich auch die Richterin in der theoretischen Prüfung davon überzeugen wollen, dass ich schon ein bissle was von Pferden weiß! Na ja, egal! Irgendwie klappt´s dann doch, und wir haben unsere Prüfung auf wundersame Weise bestanden! Und unsere Wertnoten können sich auch sehen lassen: Anja erreichte im Longieren die Wertnote 7,0 und in der Theorie die Note 7,2. Sven hatte in der Theorie ebenfalls eine 7,2 erreicht, im Longieren brachte ihn der gute Wanillo auf die Wertnote 7,8. Wir können es kaum glauben, nehmen unsere Urkunde und die Anstecknadel entgegen. Ein Stein fällt uns Allen vom Herzen und zum ersten Mal in diesen Tagen genießen wir das Mittagessen in der netten Gaststube Schelmenbühl.
Und an dieser Stelle noch mal ein herzliches Dankeschön unserem Ausbilder, dem Ausbildungsleiter der Landesfahrschule Marbach, Fred Probst, sowie seiner Auszubildenden Monique Hollmann. Wir haben viel gelernt und neue Anregungen aus Marbach mitgenommen und freuen uns schon, das neu Erlernte auch unseren Ponys zu vermitteln – auf das die Zirkel kleiner und runder werden!